Eindrücke von der Somero-Vernissage

Der Veranstaltungsraum des Afrika-Haus in Berlin-Moabit ist um kurz nach 17 Uhr schon gut gefüllt. Die Bilder, die die Somero-Stipendiatinnen im Rahmen eines Foto-Workshops geschossen haben, hängen an den Wänden. Das Besondere daran: einige der Mädchen hatten zum ersten Mal im Leben eine Fotokamera in der Hand. Mit den Bildern teilen sie Ausschnitte ihres Lebens in Kampala mit uns:  eine Familie beim gemeinsamen Kochen, Kinder in Schuluniform, eine junge Frau am Schreibtisch, die Oma bei der Essenszubereitung, einen jungen Mann, der Spiegel verkauft.

Nach einer Ansprache von Janna Rassmann und Daniel Heuermann und der Eröffnung des Buffets begrüßt Geofrey Nsubuga die Gäste. Der Koordinator von Somero Uganda ist für eine Woche in Berlin und berichtet aus erster Hand von der Arbeit im Somero –Center. Live-Musik mit Gitarre und Gesang trägt zur guten Stimmung bei. Es bleibt Zeit für gemütliches Beisammensein, Snacks und Gespräche. – Ein gelungener Abend.

Weihnachten unter der Palme

In Dänemark wird um den Weihnachtsbaum getanzt, in den USA kommt Santa Claus mit dem Rentierschlitten und in Russland gibt es erst am 31. Dezember Geschenke von Väterchen Frost. Doch wie wird eigentlich Weihnachten in Uganda gefeiert?

In Uganda ist Weihnachten einer der wichtigsten Feiertage, da 84% der Bevölkerung christlich ist. Am Ende der Regenzeit, in einem der wärmsten Monate des Jahres, beginnen die Vorbereitungen für das große Fest: die Häuser und Kirchen werden geschmückt und Tannenbäume – echte und unechte – werden mit Girlanden, Sternen und Lichterketten behangen. Die Feierlichkeiten beginnen schon in der ersten Dezemberwoche: Geschenke werden ausgetauscht, Weihnachtskarten werden verschickt und man gratuliert sich gegenseitig zu einem weiteren Weihnachtsfest – Mukulike Okutuuka Ku Mazaalibwa.

Doch das eigentliche Fest, Sekukkulu, beginnt am Abend des 24. Dezembers. Für den obligatorischen Kirchenbesuch werden die besten Kleider angezogen und in dem bunt geschmückten Gotteshaus werden dann unter andrem verschiedenste Weihnachtslieder gesungen. Am 25. Dezember findet dann das große Festessen statt. Das traditionelle Weihnachtsessen ist Luwombo, eine Art Eintopf, der meist aus in Bananenblättern gedünsteten Hühnerfleisch und Erdnusssauce gemacht wird.

“The teeth may smile, but the heart does not forget”

Buchempfehlung: Auf den Spuren des Somero-Projektlands Uganda

In dieser wahren Geschichte begibt sich der Ugander Duncan Laki auf die Suche nach den Mördern seines Vaters. Eliphaz Laki war ein Beamter und Lokalpolitiker im Südwesten Ugandas, der 1972 aufgrund seines Widerstands gegen das Regime von Idi Amin umgebracht wird. Dreißig Jahre später geht sein Sohn auf die Suche nach den Mördern seines Vaters: Ehemals ranghohe Beamte des Regimes werden verhaftet und angeklagt. Laki fordert Gerechtigkeit für seinen Vater und verfolgt damit die Spuren seiner Familiengeschichte.

Dem US-Amerikanischen Autor Andrew Rice gelingt es eine Detektivstory über Uganda zu verfassen, die zeigt wie schwierig es ist, mit der eigenen Geschichte umzugehen, sich zu erinnern, zu vergeben und sich zu versöhnen. Rice erkundet damit die Spuren der Geschichte Ugandas: von der britischen Kolonialzeit, über Idi Amin und den Widerstand gegen dieses grausame Regime, bis hin zum heutigen Uganda und der Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit.

Rice zeichnet ein lebhaftes Bild der Menschen, die Uganda in den letzten hundert Jahren entscheidend geprägt haben. Er trifft auf Richter, Lokalpolitiker und letztlich auch auf Yoweri Museveni. Ugandas Präsident wächst im selben Landesteil auf wie Lakis Vater und war gemeinsam mit ihm im Widerstand, der 1979 zum Sturz Idi Amins führte. Seit 1986 ist Museveni Ugandas Präsident und wurde im Februar 2011 in einer umstrittenen Abstimmung erneut gewählt.

“The teeth may smile, but the heart does not forget” ist ein großartiges Buch für alle, die mehr über das Somero-Projektland Uganda und dessen Geschichte erfahren wollen. Das Buch ist erhältlich im Buchhandel und natürlich auch über den Amazon-Link auf der Somero-Homepage: www.somero-uganda.de.

„God does not live here, idiot“

Der diesjährige Caine Prize für Afrikanische Literatur geht an NoViolet Bulawayo aus Simbabwe. Auch eine ugandische Autorin war nominiert.

Der Caine Prize, der auch als der afrikanische Booker Prize bezeichnet wird, wird jährlich in Oxford vergeben. Dieses Jahr geht der mit 10.000 Pfund dotierte Preis an die Autorin NoViolet Bulawayo aus Simbabwe, die die Jury mit ihrer Kurzgeschichte Hitting Budapest überzeugte. Die Geschichte lässt tief in den Alltag einer Gruppe simbabwischer Kinder blicken: Sie haben es sich zur Gewohnheit gemacht, Guaven aus den Gärten der Wohlhabenden zu essen, wenn der Hunger sie aus ihrem Dorf in die Stadt treibt. Diese Gärten sind das Paradies, in dem feingliedrige Geschöpfe mit glatter, makelloser Haut und sauberen Füßen in weißen Häusern hinter hohen Zäunen ihrem vermeintlich sorgenfreien Leben nachgehen. Dass der Kontrast zum Alltag der Kinder nicht größer sein könnte, lässt sich zwischen den Zeilen herauslesen: Bastard trägt immer dieselbe schwarze Jogginghose. Stina weiß nicht, wie alt sie ist. Chipo rennt langsamer als die anderen, weil sie von ihrem Großvater schwanger ist. „Die Sprache in Hitting Budapest knistert. Wir treffen hier auf Darling, Bastard, Chipo, Godknows, Stina und Sbho, eine Gang, die an Clockwork Orange erinnert. Aber sie sind Kinder, arm und verwahrlost und hungrig. Es ist eine Geschichte mit moralischem Gewicht, die sich künstlerisch geschickt eines moralisierenden Kommentars enthält. NoViolet Bulawayo ist eine Autorin, die großes Vergnügen an Sprache findet“, so der Vorsitzende der Kommission Hisham Matar.

Ebenfalls nominiert waren zwei südafrikanische Autoren und eine ugandische Autorin, Beatrice Lamwaka. Ihre Kurzgeschichte Butterfly Dreams erzählt vom Zusammenleben einer Familie im Norden Ugandas. Die fünfzehnjährige Lamunu kehrt nach drei Jahren aus dem Rebellenkrieg zurück, der Schmetterlingsträume ihrer Mutter zum Trotz. Lamunu lässt ihr Lachen nicht mehr hören und spricht nicht mehr, aber sie setzt alles daran, die Schule zu beenden. Die Schule scheint in Beatrice Lamwakas Geschichte mit der Hoffnung auf Veränderung und Fortschritt gleichgesetzt, sie ist Lamunus Antwort auf ihr Leiden im Krieg. Mit ihrem Schulbesuch, den sie trotz widriger Umstände durchsetzt, setzt sie gleichzeitig ein leises, aber konsequentes Zeichen des Widerstandes.

Ex Africa semper aliquid novi

Das Motto des Caine Prize, Afrika bringt immer etwas Neues, ist Teil seines Programms. Die Autoren und Autorinnen auf der Shortlist werden zur Preisverleihung nach Oxford eingeladen, treffen sich in einwöchigen kreativen Workshops und bekommen so die Gelegenheit, sich auszutauschen und zu vernetzen. Dabei profitieren sie vom englischen Literaturbetrieb, der stärker institutionalisiert ist als der ihrer Heimatländer: Die nominierten Geschichten werden online und in Zeitschriften veröffentlicht, die Autoren und Autorinnen geben Interviews und halten Vorträge. So erhalten sie die Chance, ihre Geschichten einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Der Gewinner wird zudem jeweils für einen einmonatigen Gastaufenthalt an die amerikanische Georgetown University als ‚Caine Prize/Georgetown University Writer-in-Residence‘ eingeladen.

Der Preis trägt entscheidend dazu bei, auf Literatur aus dem afrikanischen Raum aufmerksam zu machen, selbst wenn kritisch zu sehen ist, dass der Sprachfilter – es werden ausschließlich englische Texte berücksichtigt – den Blick auf die Vielfalt afrikanischen Schreibens verzerrt. Denn obwohl Englisch in Afrika eine lange Tradition als Literatursprache besitzt, wird natürlich auch Prosa in den Hunderten afrikanischen Sprachen und Dialekten verfasst, die auf dem Kontinent gesprochen werden.

Zum Weiterlesen

Alle Kurzgeschichten auf der Shortlist werden jährlich in einem Sammelband veröffentlicht. Der Titel des diesjährigen Bandes ist ‚To See the Mountain and other stories‘, hrsg. von The Caine Prize for African Writing, New Intentionalist Publ., 2011. Erhältlich im Buchhandel.

Somero e.V. gewinnt den Engagementpreis 2009

Somero e.V. gewinnt den Engagementpreis 2009 der Friedrich Ebert Stiftung. Für den Engagementpreis wurden in diesem Jahr nach Angabe der Jury drei herausragende gesellschaftspolitische Projekte aus über 50 Bewerbungen ausgewählt. Die Jury war auf der Suche nach demjenigen neuen Engagement, das den meisten moralischen Mehrwert bietet, die drängendsten sozialen Probleme bekämpft und das größte Wachstumspotenzial hat.

Am 14. November 2009 haben Lina Huppertz, Juliane Rehberg, Christian Kind und Janna Rassmann stellvertretend für alle Mitglieder und Unterstützer von Somero den Preis von Prof. Gesine Schwan entgegengenommen. Das Preisgeld von 1.000,00 Euro wird das Somero Team verwenden, um die Förderung der StipendiatInnen in Uganda weiter auszubauen und ein langfristiges Netzwerk unter den StipendiatInnen zu initiieren.