Interview mit Geofrey Nsubuga

Im April 2012 besuchte der nationale Koordinator von Somero Uganda, Geofrey Nsubuga, Berlin und beteiligte sich an der Jahreshauptversammlung von Somero Deutschland. Neben vielen Gesprächen mit dem Vereinsvorstand, den Mitgliedern und unseren Partnern nahm er sich auch Zeit für das nachfolgende Interview.

Geofrey, zur Jahreshauptsammlung von Somero Deutschland hast du uns zum ersten Mal in Berlin besucht. Was waren für dich die drei wichtigsten Erkenntnisse des Jahrestreffens?

Am meisten habe ich die Kraft der jungen Menschen von Somero Deutschland bewundert. Es war schön die Energie zu sehen, mit der junge Menschen andere Jugendliche tausende von Kilometern entfernt unterstützen. Mich hat auch die Kreativität beeindruckt, mit der finanzielle Mittel für die Ausführung von Programmen eingeworben werden und wie die Mitglieder zusammenarbeiten, obwohl sie teilweise weit voneinander entfernt leben. Außerdem gefällt mir das hohe Maß an Transparenz bei Somero Deutschland. Insbesondere das Finanzteam möchte ich hervorheben, das sich sehr gewissenhaft um die Finanzen des Vereins kümmert.

Was sind deiner Meinung nach die besonderen Stärken in der Kooperation zwischen Somero Deutschland und Somero Uganda?

Für mich sind die Teams von besonderer Bedeutung. Es ist sehr effizient, dass sich verschiedene Mitglieder auf einzelne Aufgaben konzentrieren. Diese Form der Zusammenarbeit ist seit langem gewachsen. Eine wichtige Stütze ist dabei die Transparenz, mit der alle Teams untereinander ihre Erkenntnisse austauschen.

Was sollte der Fokus unserer Arbeit in den nächsten fünf Jahren sein?

Für mich sind die zentralen Arbeitsfelder der nächsten Jahre Kommunikation und Networking sowie finanzielle Nachhaltigkeit.

Was sind die drei wichtigsten Projekte für Somero Uganda in nächster Zeit?

Eine wichtige Aufgabe ist die Erweiterung des Stipendienprogramms, um mehr Mädchen und jungen Frauen einen Zugang zu Bildung zu gewähren. Außerdem wollen wir bei Somero Uganda das PC-Programm ausbauen und noch mehr professionellen Computerunterricht in unserem Zentrum anbieten. Ein weiteres Feld, das ich zukünftig für wichtig halte, ist eine Stärkung des Lernens von zu Hause aus. Zudem wollen wir Gesundheitsthemen noch stärker in alle unsere Programme integrieren.

Geofrey, vielen Dank für das Interview.

Zu Besuch bei Somero in Uganda

Ein Rückblick von Nora und Ewa (GLEN-Stipendiatinnen)

Unser Praktikum bei Somero Uganda, dem Ewa und ich, Nora, seit unserer Zusage so sehr  entgegengefiebert haben und welches definitiv den Höhepunkt im Rahmen unseres einjährigen GLEN-Programms dargestellt hat, war eine tolle, bereichernde und abenteuerliche Zeit.

In den drei Monaten, die wir in Kampala verbracht haben, waren wir für unterschiedliche Arbeitsbereiche verantwortlich. Während Ewa meist in die direkte Arbeit im Community Center von Somero Uganda involviert war, habe ich zum größten Teil an Aufgaben auf organisatorischer Ebene gearbeitet. Doch da im Somero Center alles Hand in Hand geht, vor allem wenn es um Fragen zu Computerprogrammen, Tanzstunden und Erkundungstrips mit den Mädchen durch Kawempe, der Gegend in der die Organisation liegt, ging, haben sich unsere Tage sehr abwechslungsreich gestaltet.

Ewa hat neben Debatten, Tanz- und Theaterstunden einen Journalismus-Workshop gegeben, um so das erste Somero Uganda Magazin vorzubereiten. Ich habe mich mit Fundraising, Berichterstattung der Projekte, Evaluation und der Dokumentation verschiedener Arbeitsmethoden befasst. Von Zeit zu Zeit haben wir die Lehrerinnen Irene und Sanyu bei den täglichen Computer- und Alphabetisierungskursen unterstützt. Unsere letzten Wochen wurden hauptsächlich durch die Vorbereitungen des Trimesterendes, der Abschlussfeier für den Computerkurs und des lang ersehnten, jährlichen ‚Girls Day Out’ in Anspruch genommen.

Außerhalb der normalen Aktivitäten konnten wir an mehreren Projekten wie z.B. einem Peer Education-Training für junge Prostitutierte und einem Projekt gegen Kinderarbeit in einer Gemeinde im Süden Ugandas teilnehmen.

Die Zeit bei Somero Uganda ist wie im Flug vergangen und es wird sicherlich noch einige Wochen dauern, bis wir all unsere Erlebnisse verarbeitet haben. Doch zwei Dinge wissen wir jetzt schon: 1) Die drei Monate werden uns als eine unvergessliche und wundervolle Zeit in Erinnerung bleiben. 2) Wir können uns sicher sein,egal wann wir zurückkehren, wieder genauso warmherzig vom Somero-Team und den Mädchen aufgenommen zu werden und dass uns auch ein weiteres Mal eine genauso tolle Zeit bevorstehen würde.

Weihnachten unter der Palme

In Dänemark wird um den Weihnachtsbaum getanzt, in den USA kommt Santa Claus mit dem Rentierschlitten und in Russland gibt es erst am 31. Dezember Geschenke von Väterchen Frost. Doch wie wird eigentlich Weihnachten in Uganda gefeiert?

In Uganda ist Weihnachten einer der wichtigsten Feiertage, da 84% der Bevölkerung christlich ist. Am Ende der Regenzeit, in einem der wärmsten Monate des Jahres, beginnen die Vorbereitungen für das große Fest: die Häuser und Kirchen werden geschmückt und Tannenbäume – echte und unechte – werden mit Girlanden, Sternen und Lichterketten behangen. Die Feierlichkeiten beginnen schon in der ersten Dezemberwoche: Geschenke werden ausgetauscht, Weihnachtskarten werden verschickt und man gratuliert sich gegenseitig zu einem weiteren Weihnachtsfest – Mukulike Okutuuka Ku Mazaalibwa.

Doch das eigentliche Fest, Sekukkulu, beginnt am Abend des 24. Dezembers. Für den obligatorischen Kirchenbesuch werden die besten Kleider angezogen und in dem bunt geschmückten Gotteshaus werden dann unter andrem verschiedenste Weihnachtslieder gesungen. Am 25. Dezember findet dann das große Festessen statt. Das traditionelle Weihnachtsessen ist Luwombo, eine Art Eintopf, der meist aus in Bananenblättern gedünsteten Hühnerfleisch und Erdnusssauce gemacht wird.

Ein Foto und seine Geschichte

Nun ist es fast ein Jahr her, dass ich in Uganda war. Nicht zu fassen, wie schnell die Zeit vergeht. Namen und Orte beginnen zu verschwimmen und ich muss schon etwas länger nachdenken, um die Reiseroute im Kopf nachzuzeichnen. Und dann stolpere ich eines Abends beim Arbeiten an irgendetwas plötzlich wieder über den Ordner ‚Fotos Ostafrika‘. Ich halte inne, ein Lächeln huscht über mein Gesicht. Nur eine Minute, denke ich, soviel Zeit muss ein. Und während mein Blick schnell über die Fotos schweift, nur um eine Übersicht zu bekommen und ohne einzelne Details wahrzunehmen, bleibt er mit einem Mal hängen.

„That’s our primary school“ sagt Geofrey hinter mir. Eigentlich sieht das Gebäude der öffentlichen Grundschule aus wie alle anderen in Kawempe, einem Township in der ugandischen Hauptstadt Kampala. Wellblech, Holz, Beton und bröckelnde, bunte Farbe – alles in allem nichts ungewöhnliches hier. Und doch bleibe ich stehen, denke unwillkürlich an meine eigene Grundschule in Ostwestfalen. Mir fällt unsere Schulklingel wieder ein, die damals durchdringend das Ende des Schultages und damit den Beginn der ersehnten Freizeit einläutete. Wer oder was läutet hier eigentlich den Schulalltag ein und aus? Ich frage Geofrey. Der lacht und erklärt mir, dass der Schultag unregelmäßig beginnt und endet und ob der Unterricht tatsächlich stattfindet ohnehin davon abhängt, ob der Lehrer oder die Lehrerin genug Geld hat, um den Weg zur Schule antreten zu können. Auch die Teilnahme der Schülerinnen und Schüler an den Klassen ist nicht konstant und hängt davon ab, ob sie sich den Weg und die Materialien leisten können oder ob sie für sich selbst oder ihre Familien Geld verdienen müssen. Nur ein knappes Drittel der Jugendlichen wechselt nach der Grundschule auf eine weiterführende Schule. Unter jungen Frauen beträgt diese Anteil sogar nur ein Fünftel. Nicht zuletzt deswegen beträgt die Alphabetisierungsrate in der Bevölkerung über 15 Jahre nur etwa zwei Drittel.

Über diese einfachen Zahlen hinaus bekommt die Bedeutung von Bildung vor dieser Grundschule in Kawempe ein neues Gewicht und eine neue, viel greifbarere Dimension, für mich. Man spürt hier auf dem Schulhof der Grundschule, genauso wie überall in den Straßen des Stadtviertels, regelrecht die Energie der vielen jungen Menschen, die man überall sieht und trifft. In Gesprächen bekommt man schnell mit, dass sie alle nach Wegen suchen, sich eine eigene und selbstbestimmte Zukunft aufzubauen und die Armut, die Unsicherheit und das Gefühl der Machtlosigkeit hinter sich zu lassen. Ohne groß nachzudenken wird einem schnell klar, dass in einem Land, in dem die Mehrheit der Menschen unter 15 Jahre alt ist, die Zukunft der Gesellschaft davon abhängt, ob es gelingt, diesen Menschen eine Perspektive zu geben. Ein Perspektive, die es ihnen erlaubt, Kawempe oder ähnliche Orte eines Tages für immer zu verlassen und etwas eigenes aufzubauen und weiterzugeben.

Ich schaue Geofrey an. Er scheint das Gleiche zu denken.

Somero gestaltet Hauswände in Kampala

Gemeinsam mit zwei gemeinnützigen Organisationen führte Somero Uganda im April ein ganz besonderes Projekt durch: 12 Hauswände im Stadtteil Wakiso in der ugandischen Hauptstadt wurden mit großflächigen, farbenfrohen Wandgemälden verschönert.

Beteiligt waren sowohl die Stipendiatinnen als  auch junge Bewohnerinnen und Bewohnern des Stadtteils. Das Thema der überdimensionalen Bilder ist Kinderarbeit und die Bedeutung von Bildung. Ziel der Kunst-Aktion ist es, andere junge Bewohner durch die Malereien für die Bedeutung von Bildung zu sensiblisieren.

Neben diesen Aspekten ging es aber auch darum, den Stadtteil etwas bunter zu machen sowie Kreativität und malerisches Geschick unter den 35 teilnehmenden Kindern und Jugendlichen zu fördern. Die Teilnehmerinnen haben die Entwürfe der Wandgemälde selbst gestaltet und  anschließend mit Hilfe der Organisatoren umgesetzt. Die International Labour Organization hat das Projekt finanziell gefördert, wofür wir uns auch an dieser Stelle herzlich bedanken möchten. Die Ergebnisse sind jetzt an den Straßenecken von Wakiso zu besichtigen und haben so auch Somero in der Stadt wieder ein Stück bekannter gemacht. Hier eine Auswahl der Bilder:

Um auch andere Organisationen für diese Art von Projekten zu begeistern wurde die Initiative ausführlich auf dem 12to12-Portal dokumentiert.

Warum engagiert sich Somero für die Ausbildung von Mädchen?

In Uganda besteht allgemeine Schulpflicht für Kinder im Alter von 6 bis 13 Jahren. Grundschule und erste Sekundarstufe sind kostenfrei. Die Alphabetisierungsrate bei Erwachsenen liegt bei 74,6 %, bei Jugendlichen (15-24 Jahre) bei 87,3 % (UNESCO, Stand 2008). Warum also engagiert sich Somero für die Ausbildung von Mädchen?

Die Regierung in Uganda hat große Anstrengungen in der Entwicklung des Schulsystems unternommen, doch ohne Unterstützung gemeinnütziger Organisationen wie dem Somero e.V. wären die Herausforderungen nicht zu meistern. Es gibt noch immer weite Landesteile mit unzureichender Anzahl an Schulen.Der Weg zur nächsten Schule kann mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Das Geld für ein Internat fehlt den meisten.

Doch Schulpflicht und kostenfreier Zugang zur Grundschule sagen noch nichts über die Qualität des Unterrichts aus. Von allen Kindern im Einschulungsalter werden 97 % tatsächlich eingeschult; aber auch Jugendliche, die bisher noch nicht die Schule besucht haben, haben nun Anspruch auf Schulbesuch. D.h. die tatsächliche Einschulungsrate liegt bei 120 %. (World Bank, Stand: 2008). Das hört sich gut an, bedeutet aber, dass die öffentlichen Schulen überfüllt sind und der Altersunterschied in den Klassen sehr hoch ist.

Nur 56 % der Schüler beenden die Grundschule und nur 22 % der im entsprechenden Alter befindlichen Schüler gehen anschließend auf die Secondary School (weiterführende Schule), mit deren erfolgreichem Abschluss man sich für eine Berufsausbildung qualifiziert. (World Bank, Stand: 2008).

Die Hintergründe sind vielschichtig, aber zwei Hauptgründe sind noch immer, dass viele Familien kein Geld für die nötigen Schulmaterialien haben und ihre Kinder, besonders ihre Töchter, für die Arbeit auf den Feldern brauchen. In den Städten werden die Töchter oftmals zur Prostitution gezwungen, um zum Familienunterhalt beizutragen. Wenn überhaupt von Seiten der Familien auf Ausbildung geachtet wird, dann für die jüngeren Kinder. Die jetzigen Jugendlichen werden oft sich selbst überlassen. Doch gerade sie sind die Mehrheit der Bevölkerung, auf die sich die nahe Zukunft des Landes stützt.

Übrigens liegt die Eintrittsquote für die Secondary School II, die zur Hochschulreife führt, bei nur 4 %.